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Man of the Year 2017
LEO WILLERT, CEO und Head of Trading bei ARTS Asset Management, ist „Man of the Year 2017“.
„Disziplin ist für mich der Schlüssel zum Erfolg“
Leo Willert, CEO von ARTS Asset Management, ist von Cash. zum „Man of the Year 2017“ gekürt worden. Er spricht über die Anfänge seiner Investmentgesellschaft, die Vorteile eines selbstständig agierenden Handelssystems und über Parallelen seiner Tätigkeit als Fondsmanager und als Rennfahrer.
Leo Willert

Cash. Was waren bei Start von ARTS Asset Management die Gründe, ein technisches Handelssystem zu entwickeln und als Kern Ihrer Fonds zu implementieren?;

Willert Die Initialzündung war sicher meine Trading-Ausbildung am IITM bei Dr. Van Tharp in North Carolina. Die Ergebnisse seiner Forschung zeigten, dass die zentrale Gemeinsamkeit aller erfolgreichen Trader ist, dass sie ein klares, nachvollziehbares Regelwerk haben und sich äußerst diszipliniert daran halten. Daraus ergab es sich fast wie von selbst, in die Richtung quantitatives Trading zu gehen. Ein diskretionärer Manager kann eigentlich nur erahnen, welche seiner Handelsregeln wirklich für den Anlageerfolg bedeutsam sind und welche nicht. Ein vielleicht etwas extremes Beispiel zur Veranschaulichung wäre folgendes: Wenn sie etwa den Tradingansatz verfolgen, dass Sie jeweils am Monatsersten die jeweils 30 performancestärksten Titel der letzten vier Wochen des S&P 500 kaufen und für einen Monat halten, außer der Monatserste fällt, aber nur in einem Schaltjahr, auf einen Sonntag, dann werden Sie langfristig mit dieser Strategie, wenn Sie sie diszipliniert durchziehen, wahrscheinlich ziemlich gute Resultate erzielen, obwohl der zweite Teil Ihres Handelssystems völlig sinnlos und sogar kontraproduktiv ist. Da Sie aber die Performanceattribution der einzelnen Bestandteile nicht kennen, können Sie nicht genau sagen, ob und wie sehr welcher Teil des Handelssystems für den Erfolg verantwortlich ist. Im oben genannten Beispiel ist es natürlich ziemlich offensichtlich, aber in einem komplexeren Handelsansatz mit einer Vielzahl von Handelsregeln ist es nicht mehr so intuitiv einleuchtend. Der große Vorteil eines technischen Handelsansatzes liegt unter anderem darin, dass man jede seiner Handelsregeln historisch mittels Backtest gezielt auf ihre Funktionalität überprüfen kann. Damit wird der Handelsansatz aber auch nachvollziehbar und überprüfbar. Viele unserer Investoren waren positiv überrascht, wie klar und transparent unser System ist – im Vergleich zu einem Fondsmanager, der seine Entscheidungen „aus dem Bauch trifft“, das ist im Gegensatz dazu eine wirkliche „black box“.;

Cash. Wo liegen die Stärken des Total-Return Konzepts und wie funktioniert es?;

Willert Die größte Stärke unserer Fonds ist sicher das hohe Maß an Flexibilität. Wir können etwa in der dynamischen Variante die Aktien-, Anleihen- und Geldmarktquote flexibel zwischen null und einhundert Prozent steuern. Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen ist das oberste Motto. Ziel des Handelsansatzes ist es, schwerpunktmäßig immer in jenen Assetklassen investiert zu sein, die aktuell am besten performen. Innerhalb der Assetklassen werden dann jene Fonds ausgewählt, die im Vergleich mit allen anderen die jeweils stabilsten Trends ausprägen, da sie die höchste mathematische Wahrscheinlichkeit haben, auch in näherer Zukunft zu den Top-Performern zu gehören. Jede Position wird darüber hinaus mit einem Stopp-Loss-Limit abgesichert.;

Cash. Gab es schon einmal eine Phase, in denen die Märkte keine eindeutigen oder fehlzuinterpretierende Signale ausgesendet haben und Sie gezwungen waren, manuell einzugreifen?;

Willert Nein, das gab es nie. Ein technisches Handelssystem darf meiner Ansicht nach in keiner Marktphase Spielraum für diskretionäre Entscheidungen lassen, das würde die Kernidee quantitativen Tradings konterkarieren.;

Cash. In einigen Interviews haben Sie zu Recht davon gesprochen, dass Buy-and-Hold Strategien nicht mehr zeitgemäß sind. Wie sensitiv ist Ihr Handelssystem oder anders herum gefragt, wie oft werden Kauf- oder Verkaufsorders gestellt?;

Willert Das Handelssystem ist sehr aktiv und hat einen vergleichsweise relativ hohen Portfolio Turnover, im Schnitt drehen wir das gesamte Fondsvermögen drei- bis viermal im Jahr.;

Cash. In letzter Zeit wird viel über die Möglichkeit steigender Zinsen auch in Europa diskutiert. In welcher Weise ist ein solches Ereignis und seine Folgen im Handelssystem implementiert? Welche Implikationen erwarten Sie?;

Willert Bei Anleiheinvestments stehen wir vor einem Wendepunkt. In den vergangenen 35 Jahren hat das Kaufen und Halten von Anleihen gut funktioniert. Es hat gereicht, Staatsanleihen mit einem AAA-Rating und einer Laufzeit von fünf oder zehn Jahren zu kaufen. Damit waren jährlich fünf, sechs oder sieben Prozent Ertrag möglich. Diese Zeiten sind vorbei. Bei festverzinslichen Papieren werden künftig gute Erträge nur mit einem aktiven Management zu erzielen sein. Flexibles Investieren ohne Einschränkungen wird noch wichtiger. Ein vermögensverwaltender Ansatz wird das A und O auf dem Weg zu vernünftigen Renditen sein. In Summe sind Anleihen als Anlageklasse aber weiterhin unverzichtbar. Vermögensverwaltendem Management, mit dem alle Anleiheinvestments abgedeckt werden können, gehört sicherlich die Zukunft. Damit lassen sich auch die Entwicklung von Währungen, von Laufzeiten, Short-Duration, von inflationsgebundenen Papieren oder auch Wandel- und Unternehmensanleihen nutzen. Um lukrative Erträge zu erzielen, muss man auf der gesamten Klaviatur spielen.;

Cash. Mit welchen Wünschen kommen Ihre Kunden derzeit auf Sie zu?;

Willert Ein ganz wesentlicher Punkt ist für unsere Kunden die Reduktion der maximalen Drawdowns im Vergleich zu klassischen indexnahen Investments. Für die allermeisten Privatanleger sind Kursrückschläge von 50 Prozent oder mehr, wie wir sie an den Märkten zwischen 2000 und 2010 zweimal erlebt haben, deutlich mehr, als sie bereit sind in Kauf zu nehmen.;

Cash. Die Korrelationen der Assetklassen schnurren seit einiger Zeit immer stärker zusammen. Wie tragen Sie diesem Umstand im Rahmen des Handelssystems Rechnung?;

Willert Wenn man sich die Korrelationen einzelner Anlageklassen im historischen Verlauf ansieht, stellt man fest, dass diese alles andere als stabil sind und gehörig schwanken können und sich durchaus auch ins Gegenteil verkehren können. Unser Handelsansatz wurde daher von Beginn an so entwickelt, dass er mit den sich ständig ändernden Korrelationen zurechtkommt und sich von der Entwicklung einzelner Indizes auch völlig abkoppeln kann. So hat etwa der C-Quadrat ARTS Total Return Bond seit Jahresbeginn eine Wertentwicklung von plus 2,8 Prozent erzielt, während der globale Bondindex Barclays Multiverse Unhedged Total Return im selben Zeitraum minus 5,5 Prozent abgeben musste.;

Cash. Wenn Sie das Marktverhalten der letzten Jahre analysieren, wie groß war der Anteil der aktiven und passiven Investments, die einen positiven Ergebnisbeitrag zu Ihren Fonds geleistet haben?;

Willert Der Anteil passiv gemanagter Zielfonds ist in den letzten Jahren in unseren Portfolios kontinuierlich gestiegen, was vor allem daran liegt, dass die ETF-Anbieter immer mehr und immer speziellere Produkte auf den Markt bringen, was für einen trendfolgenden Sektorrotationsansatz wie beim ARTS-Handelssystem natürlich ein großer Vorteil ist. Zusätzlich sind auch die Handelskosten laufend günstiger geworden, die meisten ETF kaufen wir mittlerweile für eine Agency Commission, die im einstelligen Basispunktebereich liegt. Im Schnitt kann man sagen, dass wir in den dynamischen Produkten langfristig schon etwa ein Drittel der Asset Allocation mit ETF abbilden, den Rest stellen aber nach wie vor klassische, aktive gemanagte Investmentfonds.;

Cash. In welchen Märkten waren eher aktive Investments, in welchen eher passive erfolgreich? Was sind die Gründe dafür?;

Willert Zufällig haben meine Gründungspartner, Markus Letschka und Jürgen Kultscher, vor wenigen Monaten auf Basis unserer sehr umfangreichen Datenbank, die über 10.000 Investmentfonds und mehr als 1.000 ETFs umfasst, eine kleine Studie erstellt, die sich mit genau diesem Thema auseinandergesetzt hat. Kurz zusammengefasst ergibt sich folgendes Bild: Auf unterschiedliche Zeitfenster wie etwa drei, fünf oder zehn Jahre betrachtet, gibt es zwischen den einzelnen Märkten teilweise enorme Performanceunterschiede von mehreren hundert Prozent zwischen aktiven und passiven Fonds. In welchen Marktphasen aber aktive oder passive Produkte besser performen, scheint überhaupt keinem Muster zu folgen. Weder Kapitalisierungsgröße, noch ob es sich um eine Developed oder Emerging Market handelt, ob der Markt mehr oder weniger liquide ist, ob der Markt durch viele oder wenige Produkte abgedeckt wird oder ob es sich um ein eher schmales oder breites Marktsegment handelt scheint ein langfristig verlässlicher Indikator dafür zu sein, ob passive oder aktive Investmentfonds renditetechnisch besser abschneiden werden. Manchmal laufen in ein und demselben Markt für einen gewissen Zeitraum ETFs besser, dann wieder aktiv gemanagte Fonds. Das spricht letztendlich wieder für einen flexiblen Handelsansatz wie den des ARTS-Handelssystems, der auf die volle Palette aktiver und passiver Fonds zurückgreifen kann und sich somit je nach Marktlage aus dem Besten beider Welten bedienen kann.;

Cash. Multi-Asset-Fonds zählen nach wie vor zu den am stärksten nachgefragten Produkten. Und das, obwohl längst noch nicht alle Portfolios bewiesen haben, dass sie über einen längeren Zeitraum positiv abschneiden. Droht eine Überforderung der Fondskategorie?;

Willert Es segeln sicher zurzeit einige Produkte unter der Marketing-Flagge „Multi Asset“, die der Bezeichnung nur in sehr geringem Maße gerecht werden. Starr gemanagte Produkte mit simplen Buy & Hope-Strategien werden sicher in einem Marktumfeld bestehend aus kräftigen Korrekturen gepaart mit steigenden Korrelationen unter die Räder kommen.;

Cash. Eine Ihrer Leidenschaften ist der Motorsport. Gibt es Parallelen zwischen den Anforderungen des Rennsports und jenen des Fondsmanagements?;

Willert Absolut! Sowohl im Motorsport als auch im Fondsmanagement geht es darum, die beste Performance zu erreichen und in beiden Fällen ist sie objektiv messbar. Im Motorsport hat genauso wie im Fondsmanagement der Computer Einzug gehalten, ist dort aber bereits viel dominanter. Es gibt keine bedeutende Rennserie mehr bis hinunter zum Kartsport, in der das Auswerten der Telemetriedaten nicht der Schlüssel zum Erfolg ist. Der Computer deckt jeden Fahrfehler auf, zu weiches Bremsen, falsche Linienwahl, zu spät im Kurvenausgang aufs Gas gegangen, einfach alles… Dass man wie früher schlechte Rundenzeiten mit schlechten Ausreden kaschieren könnte, geht schon lange nicht mehr. Und im Langstreckenrennsport wie im Fondsmanagement gilt es, Risiko versus Performance gut abzuschätzen: If you want to finish first, you first have to finish.;

Cash. Was bedeutet für Sie persönlich und im Investmentumfeld Disziplin?;

Willert Disziplin ist für mich DER Schlüssel zum Erfolg schlechthin, und zwar eigentlich in so gut wie allen Bereichen des Lebens. Es gibt ein fantastisches Buch, dessen Lektüre ich nur empfehlen kann, mit dem Titel „The Road to Excellence: The Acquisition of Expert Performance in the Arts and Sciences, Sports and Games“. Es ist eine Zusammenfassung der Arbeiten der weltweit führenden Wissenschaftler zum Thema „Spitzenleistungen“ in unterschiedlichen Bereichen wie Sport, Musik oder Profischach. Zusammengefasst kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass es so etwas wie „Talent“ eigentlich so gut wie nicht gibt. Denn Talent würde bedeuten, dass jemand ohne zu üben, zu trainieren oder mit dem, was die Forscher unter „dedicated practice“ verstehen, also dem gezielten Arbeiten an der Weiterentwicklung der Fähigkeiten, in der Lage wäre, Spitzenleistungen zu erzielen. Es gab aber nicht den geringsten Hinweis darauf, das Buch räumt auch mit den typischen Mythen von „Wunderkindern“ wie W.A. Mozart auf. Der Erfolg aus-nahmslos aller Spitzenperformer ist das Ergebnis harter Arbeit. Jeder Top-Performer hat mindestens 10.000 Stunden Blut, Schweiß und Tränen in seinem individuellen Bereich investiert, um zu seinen Fähigkeiten zu kommen, „experts are always made, not born“.;

Cash. Mit welcher Marktentwicklung rechnen Sie bis Ende des Jahres und darüber hinaus?;

Willert Wir haben kein antizipatives Element in unserem Handelsansatz, frei nach dem Motto: „ein Trendfolger, der eine Marktmeinung hat, ist keiner.“;