Page 11 - ARTS Forbes
P. 11

ASSET MANAGEMENT
















                          AUF DEN SPUREN VON



                                     BILLY COBHAM



                         Leo Willert begann im Jugendalter autodidaktisch Schlagzeug zu spielen.
                           Nach jahrelangem Studium schaffte der erfolgreiche Geldverwalter
                                               den Sprung auf die Bühne.




                         rst kommt der Wille, dann der Wohl-  zu kaufen. Somit wurde es ein gebrauchtes
                         klang. Aber dass man sich als Novize   goldfarbenes Schlagzeug der Marke Sonor
                         zuallererst an Musikstücken des legen-  Action, das die Bandmitglieder aus dem priva-
                 Edären Drummers Billy Cobham ver-           ten Keller eines Wiener Musikalienhändlers
                  sucht, ist doch ungewöhnlich. Das war Leo Wil-  abholten. Willert: „Die Demontage des Sets
                  lert im Alter von 18 aber egal. Damals gründete   war schnell erledigt. Aber der Aufbau im Pro-
                  er gemeinsam mit drei Schulkollegen seine ers-  beraum, den uns der Vater des Keyboarders zur
                  te Band. Der Haken: Willert übernahm die Rolle   Verfügung stellte, nahm Stunden in Anspruch.“
                  des Schlagzeugers ohne jemals zuvor auf eine   Drummer Willert ging autodidaktisch ans
                  Trommel geschlagen zu haben. Nicht viel bes-  Werk. Das erste Musikstück, an das sich die
                  ser erging es dem Bassisten. Er besaß zwar   Band heranwagte, war Red Baron von Billy
                  eine Bassgitarre, spielen konnte er darauf aber   Cobham. Stilsicher näherten sich die vier
                  nicht. Dafür brachten der Gitarrist und der Key-  Freunde anderen Größen der Jazzwelt an, zähl-
                  boarder musikalische Erfahrung ein.        ten doch das Mahavishnu Orchestra und das
                                                             Jazz-Album Return to Forever von Chick Corea
                  Unbewusste Inkompetenz                     zu ihren Favoriten. Willert: „Damals gab es kei-
                                                             ne Musikvideos, die man als Vorlage nutzen
                     ARTS-Mastermind Willert: „Das Angenehme   konnte. Wir mussten die Musik von Schallplat-
                  in dieser Phase der unbewussten Inkompetenz   ten runterhören und auswendig spielen, weil
                  war, dass wir gar nicht wussten, wie schlecht   kein Bandmitglied außer dem Keyboarder
                  unsere Performance wirklich war. Die Begeiste-  Noten lesen konnte.“ Das sollte sich ändern.
                  rung überstrahlte den Mangel an Fähigkeiten.“   Willert begann eine Ausbildung am Musikkon-
                  Eine erste Hürde wurde bei der Beschaffung   servatorium, das er bis heute besucht. Willert:
                  des Equipments genommen. Leo Willert: „Wir   „Die wöchentliche Schlagzeugstunde ist auch
                  brauchten ein Schlagzeug, hatten aber kein   immer eine Lektion in Demut.“ Aktuell spielt
                  Geld.“ Dieses Problem wurde dank der Hilfe   Willert auf einem Schlagzeug namens DW
                  des Großvaters des Keyboarders gelöst. Er lieh   Custom Series und steht mit der zwölfköpfigen
                  der Band 500 Euro und stellte den Jungmusi-  Funk-Bigband FUNchestra und einem Jazz/
                  kern seinen VW-Bus zur Verfügung. Die 500   Fusion-Quintet namens ModernTimes mehr-
                  Euro reichten nicht aus, um ein neues Drumset   mals im Jahr auf der Bühne.


                                                                                              FORBES           11
   6   7   8   9   10   11   12